Emissionsabgabe erst nach fünf Jahren: Liquiditätsvorteile durch das Kapitalband
- Tobias Fuchs
- May 7
- 2 min read
Nach einer Finanzierungsrunde folgt in der Schweiz üblicherweise die Abrechnung der Emissionsabgabe. Sobald das neue Eigenkapital den Freibetrag von einer Million Franken übersteigt, fordert die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) eine Abgabe von 1 %. In der Wachstumsphase eines Startups bedeutet dieser sofortige Abfluss einen direkten Verlust an Liquidität.
Die Aktienrechtsrevision vom 1. Januar 2023 hat hier jedoch einen Spielraum geschaffen, der oft ungenutzt bleibt. Wer Kapitalerhöhungen innerhalb eines Kapitalbandes (Art. 653s ff. OR) strukturiert, kann den Zeitpunkt der Steuerzahlung erheblich nach hinten verschieben.
Die rechtliche Grundlage für den Aufschub
Bei einer ordentlichen Kapitalerhöhung wird die Emissionsabgabe sofort mit der Eintragung im Handelsregister fällig. Beim Kapitalband gilt hingegen das Prinzip der Nettobetrachtung. Da das Kapital innerhalb des Bandes über die gesamte Laufzeit von bis zu fünf Jahren sowohl erhöht als auch herabgesetzt werden kann, entsteht die Steuerforderung rechtlich erst am Ende der Laufzeit.
Das Gesetz (Art. 7 Abs. 1 Bst. f StG) sieht vor, dass die Abgabe erst zu diesem späten Zeitpunkt deklariert und abgeführt werden muss. Das Startup behält das Kapital somit für die gesamte Dauer des Bandes zur freien Verfügung.
Erfahrungen aus der Praxis
Dass die Steuerverwaltung diese Regelung konsequent umsetzt, zeigt ein aktuelles Beispiel aus meiner Arbeit mit einem Startup-Kunden. Obwohl die Emissionsabgabe für eine Erhöhung bereits deklariert und überwiesen war, wurde die Buchung nach einem Hinweis auf das bestehende Kapitalband storniert. Die ESTV erstattete den bereits gezahlten Betrag in fünfstelliger Höhe innerhalb weniger Tage zurück.
Dieser Vorgang bestätigt, dass es sich nicht um eine theoretische Auslegung handelt, sondern um die aktuelle Verwaltungspraxis.
Strategische Bedeutung für das Cashflow-Management
In einem Marktumfeld, in dem Kapitaleffizienz entscheidend ist, wirkt dieser Zahlungsaufschub wie ein zinsloses Darlehen. Das Geld, das sonst unmittelbar an den Staat abfliessen würde, bleibt für fünf Jahre als Runway im Unternehmen.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Steuerzahlung in der Zukunft durch die fortschreitende Unternehmensentwicklung und die Inflation relativ gesehen weniger schwer wiegt als zum Zeitpunkt der frühen Finanzierungsrunde.
Fazit
Das Kapitalband bietet weit mehr als nur gesellschaftsrechtliche Flexibilität. Es ist ein effizientes Instrument zur Liquiditätsplanung. Gründer und Finanzverantwortliche sollten bei künftigen Kapitalaufnahmen prüfen, ob die Strukturierung über ein Kapitalband möglich ist, um den sofortigen Abfluss der Emissionsabgabe zu vermeiden. Es gibt keinen Grund, Steuern früher zu zahlen, als es das Gesetz verlangt. Wir wissen auch, dass die Zahlung kommen wird, entsprechend ist es buchhalterisch zu berücksichtigen, nicht vergessen.



